header Sternwarte Kletzen N51°27'11.124 - E12°25'0.012    /    51.45309 - 12.41667
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Planspiegel

Ablenkspiegel für ein Newton Teleskop 155mm x 219mm x 25mm

Bisher habe ich die Herstellung der Fangspiegel meiner Teleskope immer vermieden. Die Gründe dafür lagen einerseits in den günstigen Preisen für solche Spiegel aus Massenfertigung, andererseits ist die Einzelherstellung eines ovalen Planspiegels mit viel Arbeit, Zeit und natürlich auch einem gewissen Risiko verbunden. Mit der Zeit wuchs aber der Gedanke, es einfach mal zu versuchen.

Nach ein paar Polierstunden habe ich mich an die ersten Messungen gewagt. Alles noch ganz easy mit 45° gegen die 300mm Referenzsphäre vom letzten Jahr. Leider habe ich bei dem ganzen Gewusel kein Foto vom Testaufbau gemacht, kommt aber noch...
Die Oberflächen sehen schon durchpoliert aus. Bei genauerem Hinsehen und Reflextest der Oberfläche mit einem roten Laserpointer zeigen sich jedoch noch Fehler, ein paar Stunden werden sich die Scheiben wohl noch drehen müssen. Dabei ist es von Vorteil, wenn man über Kenntnisse der Oberflächenform verfügt. Damit kann man schon während dem Auspolieren versuchen die Oberfläche grob in die richtige Richtung zu schieben. Im Moment ist die Oberfläche des Fangspiegelkacketes concav, ich kann also als nächstes entspannt TOT polieren.
Rohling
23.06.2018: Ritchey Common Test intrafokal(-12mm).
Rohling
23.06.2018: Ritchey Common Test fokal(0mm).
Rohling
23.06.2018: Ritchey Common Test extrafokal(12mm).
Rohling
Endlich mal wieder Glas polieren! Vom letzten Jahr hatte ich noch CERI 600 in Wasser gelöst samt Pinsel. Den Pinsel habe ich vorsichtig entsorgt, war komplett verrostet. Ein neue Metallfreier Pinsel sollte das Problemn nicht mehr aufkommen lassen. Ich poliere neben dem Fangspiegel noch eine der anderen Scheiben aus.
Am ersten Abend habe ich die Pechhaut noch per Hand geführt, denn das System musste sich noch anpassen und lief sehr ruppig.
Im Bild habe ich zum ersten mal die Maschine drücken lassen, immer mit dem Knie am NOT-AUS!
Rohling
21.06.2018: Pünktlich zur Sommersonnenwende liegt nun endlich der Haupdarsteller auf den Schleifteller! Wenn man genau hinsieht kann man ihn erkennen. Gut, dass die Tage gerade so lang sind. Das Auspolieren wird etwas Zeit kosten.
Ich versuche es im Moment einfach mal mit Wechsel zwischen MOT und TOT. Als Anhaltspunkt wird ein Laserpointer verwendet. Mit dem Grad der Reflexionen an der Oberfläche kann der Politurgrad zwischen Mitte und Rand eingeschätzt werden.
Rohling
Da die Zwischenräume nun mit Schleifpulver konterminiert sind musste ich mir etwas einfallen lassen. Glücklicherweise gibt es wasserdichtes Klebeband und Silikonkautschuk...
Rohling
In der Zwischenzeit hat sich die Pechhaut prima an die dritte plangeschliffene Borofloatscheibe angepasst. Wow, glänzt das! Just in diesem Augenblick kam die Sonne heraus und erleuchtete die Sternwarte, Reflexion durch's Fenster - und Foto! Gut dass ich vor zwei Wochen die Kuppel sauber gemacht habe... 😅
Rohling
18.06.2018: Die Einz auf dem Display des Sphärometers ließ mir keine Ruhe, zumal diese eher zu einer Zwei tendierte als zu Null. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Fangspiegelrohling um etwa 1,5µm tiefer liegt als der Opferring.
Rohling
Also kurz entschlossen noch mal alles rauf auf den Drehteller. MOT und TOT im Wechsel. Microgrid 5y bis alles passte(etwa 1 Stunde), dann noch 30min 3µ und 10min 1y geschliffen. Nun setzt sich das Sphärometer sicher mit 0 auf.
Rohling
Nun ist alles erkaltet. Das überschüssige Pech habe ich in einer Fotoschale unter handwarmen Wasser(mit Spülmittel) mit einem Messer abgetrennt. Das ging erstaunlich problemlos, die abgeschnittenen Pechstückchen kamen zurück in den Topf. Das Wasser wurde danach mit einem alten Plastiksieb gefiltert, so dass das Restwasser wieder Pechfrei war.
Rohling
Un schon sind wir beim anpassen der Pechhaut. Dazu habe ich einen der Rohlinge, die auf 1µm genau geschliffen wurden mit Spülmittel eingerieben und auf die Pechhaut gelegt, dann alles in den Tortenhalter, Wasser drüber und reifen lassen.
Rohling
Nach etwa 2 Stunden ist das Pech nun laut IR-Termometer bei etwa 90°C und hat die richtige Gießkonsitenz ereiecht.
Rohling
Das Pech wurde auf die Gießmatte geschüttet und der etwa 60°C warme Rohling in das Pech gedrückt. Damit die Borofloat-Scheibe nicht zu schnell auskühlt und platzt, habe ich eine Styropurscheibe draufgelegt. Die Abkühlung dauerte lange.
Rohling
Kontrolliert wird der Temperofen mit mit diesem einfachen Termostat.
Rohling
Eine weitere Temperaturkontrolle.
Rohling
Nun muss ich mal meinen Scheibenturm zurückbauen...
Rohling
Da ich das Pech direkt auf einen Rohling aufbringen mächte, erwärme ich die Scheibe ganz langsam damit.
Rohling
...
Rohling
...
Rohling
Während das Pech im Topf erwärmt, kann ich schon mal meine Gießmatte rausholen.
Rohling
Die Gießmatte hatte ich vor vielen Jahren mal gebastelt. Immer noch wie neu!
Rohling
Da ich noch nie mit C-Kit gearbeitet habe, wollte ich mal wissen wie sich das Material eigentlich verhält. Leider musste ich feststellen, dass bei 22°C und etwas Druck der C-Kitt einsinkt. Längere Pausen sollte ich beim polieren also vermeiden.
Rohling
Optisches Pech im Kochtopf. Es wird ganz langsam erwärmt und sollte nicht wärmer als 90°C werden.
Rohling
Der Plan ist: die Glasmasse komplett auf 50-60°C zu erhitzen, so dass der C-Kitt sich verflüssigt. Fangspiegelrohling und Opferring sollten danach mit Träger verkittet sein. Der Temperaturfühler im Innern der Glasmasse sorgt für eine gewisse Sicherheit Spannungen im Innern zu vermeiden.
Rohling
Der Temperofen aus Styropurplatten: Sehr praktisch und immer wieder gern genutzt. Hier werden die Glasplatten langsam und kontrolliert erhitzt (Der Ofen wird noch mit einer Styropurplatte verschlossen). Als der C-Kitt schmolz, senkte sich die obere Glasplatte unter ihrem Gewicht auf die als Abstandhalter eingelegten Zahnstocher.
In den darauffolgenden 15 Stunden wurde die Temperatur langsam wieder auf 23°C gesenkt.
Rohling
Jetzt bloß nicht niesen!
Rohling
OK, der Träger liegt auf.
Rohling Die C-Kitt Stückchen werden mit viel Geduld auf den Scheiben verteilt.
Rohling
Zu wenig, ein zweiter Aufguss wird benötigt...
Rohling
C-Kitt wurde auf etwa 80°C erhitzt, auf eine neue(saubere) Auto-Fußmatte gegossen und mit einem Stück Pappe(Bier-Untersetzer) verteilt.
Rohling
...
Rohling
Fangspiegelrohling und Opferring sollen auf einen der Rohlinge gekittet werden. Dazu nutze ich C-Kitt von PIEPLOW & BRANDT.
Rohling
Hier sieht man den Fangspiegelrohling samt Opferring auf einem der exakt durchgeschliffenen Rohlinge liegen. Absolute Sauberkeit ist hier Pflicht, denn die auf 1µm geschliffenen Flächen liegen hier trocken Kopf auf Kopf aufeinander.
Da der Kitt später noch erhitzt wird, ist zur Kontrolle der Glas-Innentemperatur der Fühler eines Thermometers eingelegt.
Rohling
Gesteuert wird die komplette Schleifaktion aller Scheiben durch permanentes Prüfen mit einem 1µ-Sphärometer. Die Scheibe, auf dem das Sphärometer im Bild steht ist ein Relikt eines früheren Planspiegelschleif - Versuches. Immerhinn genau genug, um das Sphärometer auf Null zu trimmen.
Rohling
15.06.2018: Mittlerweile sind alle Scheiben bis auf 1µm MICROGRIT durchgeschliffen, das Sphärometer zeigt zuverlässig Null. Es wird Zeit, sich über das weitere Vorgehen Gedanken zu machen.
Rohling
Mir standen 2 Borofloatscheiben und der ausgeschittene Rohling zur Verfügung. Hier auf auf dem Drehteller meiner Schleifmaschine.
Rohling
Erste Körnung: 320. Nach 30min schleifen zeigt sich wunderbar der Astigmatismus in den Scheiben. Aber nicht mehr lange...
Rohling
Der Rohling wurde durch Wasserstrahlschneiden aus einer Borofloatscheibe 270mm x 25mm geschnitten. Der Ring wird beim späteren polieren noch als Opfermaterial benötigt.
Rohling
Wie immer wurden zuerst alle Fasen mit einem Wetzstein ordentlich angeschliffen.